Eigennutz hat den Gemeinsinn ersetzt.
Das ist eindeutig falsch. Freiwilligenarbeit und Ehrenamt sind heute sehr beliebt. Allerdings wollen Menschen, die sich engagieren, Gestaltungsfreiräume. Sie sind heute selbstbewusster und kritischer. Gesellschaftliche Werte sind im Wandel begriffen. Auf die Wiederkehr der alten Ideale von früher können Sie lange warten. Vielen potentiell Engagierten fehlen überzeugende Angebote, ihren Gemeinsinn zu verwirklichen.
Menschen gehen nicht mehr in Vereine. Man sieht dies an den schwindenden Mitgliederzahlen.
Das trifft für viele Vereine zu. Allerdings arbeiten heute noch etliche Vereine mit Führungsmodellen aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Damit ließe sich heute kein Betrieb mehr führen – und eben auch kein Verein. Autorität muss man sich als Führungskraft heute verdienen.
Menschen engagieren sich nicht mehr im Verein.
In der Tat gibt es Menschen, die einen Verein mit einer Dienstleistungsorganisation verwechseln. Das war allerdings schon immer so. Manche Vereine fördern dies ungewollt, indem sie aufgrund sinkender Mitgliederzahlen wahllos Personen in ihren Verein aufnehmen.
Letztlich hängt es davon ab, wie der Vorstand seine Mitglieder anspricht. Menschen sind durchaus bereit, sich zu engagieren. Doch dabei gibt es einen gravierenden Unterschied zu früher: Heute bevorzugen Menschen zeitlich begrenztes Engagement in konkreten Projekten mit konkreten Zielen statt kontinuierliches Ehrenamt.
Keine ist mehr bereit, seine Zeit für die gute Sache zu opfern
Opferbereitschaft und Pflichtgefühl haben in Vereinen aus guten Gründen keinen hohen Stellenwert mehr. Doch der Einsatz muss kein Opfer sein, sondern kann als Bereicherung erlebt werden. Geben kann eine Wohltat sein. Vor allem dann, wenn der Freiwillige etwas tut, was ihm Spaß macht und ihn persönlich bereichert. Und wenn es eine angemessene Anerkennung erhält. In einer Kultur von Wertschätzung und Anerkennung macht das Engagement Freude. Dabei ist Freude wie Liebe – sie wächst, wenn sie geteilt wird.
Warum sollen wir Freiwillige besonders anerkennen? Schließlich sind wir ein Verein und den Vorstand gibt ja auch niemand Anerkennung.
Natürlich können Sie das so sehen. Sie können sich auch darüber beklagen, dass sich in Ihrem Verein so wenige Menschen engagieren. Wenn das alle so machen würden, wäre der Verein schon längst hinüber. Doch ist dies eine sehr nüchterne und formale Sichtweise. Menschen funktionieren nicht so, wie es in der Satzung steht. Menschliche Gemeinschaften brauchen immer Aktivisten, die die gemeinsame Sache voranbringen. Geschieht dies mit Freude, dann wirk diese Freude ansteckend auf andere.